Mercedes-AMG GT3 (seit 2015) im Check: Daten, Technik & Preise

Von Sönke Brederlow

Der Mercedes-AMG GT3 gehört zweifelsohne zu den erfolgreichsten GT3-Boliden der Motorsport-Geschichte: Der Kundensportler aus Affalterbach, der im Jahr 2015 präsentiert wurde, ist auf Rennstrecken rund um den Globus im Einsatz und hat sich sowohl bei Sprint- als auch bei Langstreckenrennen etabliert. MotorsportMarkt.de verrät alles, was du über den Mercedes-AMG GT3 wissen solltest.

Die Geschichte des Mercedes-AMG GT3

Mercedes-AMG präsentierte den GT3-Rennwagen, der auf dem straßenzugelassenen AMG GT basiert, im März 2015 auf dem Genfer Automobilsalon. Das Debütjahr diente allerdings zur Entwicklung und für Testfahrten, wobei der neue GT3-Bolide sein Renndebüt im Juli 2015 im Rahmen der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring (heute: Nürburgring Langstrecken-Serie) gab.

Die Auslieferung an die ersten Kundenteams erfolgte ab Ende 2015. Der Mercedes-AMG GT3 löste damit den erfolgreichen Mercedes-Benz SLS AMG GT3 ab, der zuvor bereits seit 2011 im internationalen Kundensport eingesetzt worden war. Mit dem Modellwechsel passte Mercedes-AMG sein GT3-Programm an die neue Serienbaureihe an. Bei der Entwicklung griff das Unternehmen aus Affalterbach allerdings auf zentrale Erfahrungen aus dem SLS-Programm zurück.

Das betraf insbesondere den bewährten 6,2-Liter-V8-Saugmotor, der für den Einsatz im neuen GT3-Rennwagen nur leicht adaptiert wurde. Parallel dazu wurde das Fahrzeug konsequent auf die modernen Anforderungen ausgelegt: höhere Sicherheit, bessere Aerodynamik, optimierte Servicefreundlichkeit und ein breiteres Arbeitsfenster für unterschiedliche Fahrertypen. Die Entscheidung für das großvolumige Saugaggregat ohne Turboaufladung fiel vor allem mit Blick auf Standfestigkeit, Wartungsfreundlichkeit und kalkulierbare Betriebskosten.

Auch deshalb war der Mercedes-AMG GT3 von Beginn an in einer Vielzahl nationaler und internationaler Meisterschaften vertreten. Er gab sein offizielles Renndebüt in den Händen eines Kundenteams bei den 24 Stunden von Dubai 2016, wo damals insgesamt drei Fahrzeuge zum Einsatz kamen. Durch seine breite Einsetzbarkeit entwickelte sich der Mercedes-AMG GT3 in den folgenden Monaten allerdings schnell zu einem der meistverkauften GT3-Fahrzeuge seiner Generation.

Technische Daten: Mercedes-AMG GT3
Fahrzeugtyp:Sportwagen nach Reglement FIA GT3
Baujahr:seit 2015
Preis:399.000 € zzgl. MwSt.
Rennklasse:FIA GT3
Motor
Bauart:AMG 6,3-Liter-V8-Saugmotor
Hubraum:6.208 ccm
Leistung:ca. 550 PS / 404 kW
Drehmoment:ca. 650 Nm
Elektronik:Motorsport-Elektrik mit vielfach einstellbarem
ABS und AMG TRACTION CONTROL
Antriebsart:Heckantrieb
Getriebe:Sequenzielles AMG 6-Gang-Rennsportgetriebe mit Wippenschaltung
Karosserie
Länge:4.746 mm
Breite:2.049 mm
Höhe:1.238 mm
Radstand:2.625 mm
Gewicht:1.285 kg (abhänging von der BoP)

Die Technik des Mercedes-AMG GT3

Das Chassis des Mercedes-AMG GT3 basiert auf einem sehr leichten und extrem steifen Aluminium-Spaceframe, der mit dem Serienfahrzeug verwandt ist. Hinzu kommt eine Carbon-Sitzschale und der integrierte Überrollkäfig aus hochfestem Stahl, der den Fahrer im Falle eines Unfalls bestmöglich schützt. Motorhaube, Türen, vordere Kotflügel, Front- und Heckschürze, Seitenwände, Seitenschweller, Diffusor, Heckdeckel sowie der Heckflügel sind aus Carbon gefertigt, um das Gewicht zu senken: Der Mercedes-AMG GT3 wiegt rund 1.285 Kilogramm.

Das Herzstück des Mercedes-AMG GT3 ist der 6,2-Liter-V8-Saugmotor, intern als AMG-M159 bezeichnet. Die Motorleistung liegt je nach Balance of Performance (BoP) üblicherweise zwischen 500 und 550 PS, das maximale Drehmoment beträgt rund 650 Newtonmeter. Charakteristisch ist die lineare Leistungsentfaltung, die im Rennbetrieb einige Vorteile im Vergleich zum Turbomotor bietet.

Die Kraftübertragung übernimmt ein sequenzielles AMG Sechsgang-Renngetriebe in Transaxle-Anordnung. Diese Bauweise verlagert Gewicht an die Hinterachse und sorgt für eine nahezu ideale Balance. Die Verbindung zum Motor wird torsions- und drehmomentsteif über eine aus Carbon gefertigte „Torque Tube“ realisiert, die für maximale Steifigkeit bei gleichzeitig geringem Gewicht sorgt. Geschaltet wird über Schaltwippen am Lenkrad.

Die Aerodynamik des Mercedes-AMG GT3 wurde speziell für den Einsatz auf der Rennstrecke entwickelt: Ein großer Frontsplitter, seitliche Diveplanes, ein ausgeprägter Unterboden und ein groß dimensionierter Heckflügel erzeugen den notwendigen Abtrieb. Gleichzeitig bleibt der GT3-Bolide auch bei höheren Geschwindigkeiten und schneller Kurvenfahrt stabil.

Zum Fahrwerk gehören Doppelquerlenker an Vorder- und Hinterachse, einstellbare Dämpfer sowie umfangreiche Setup-Möglichkeiten. ABS und Traktionskontrolle sind innerhalb des Reglements frei konfigurierbar und erlauben eine Anpassung an Fahrer, Strecke und Witterung. Alle Bedienelemente im Mercedes-AMG GT3 sind ergonomisch angeordnet und intuitiv sowie schnell erreichbar.

Die zum Fahrer hin geneigte Mittelkonsole erleichtert die Bedienung zusätzlich, während beleuchtete Beschriftungen auch bei Dunkelheit eine optimale Ablesbarkeit gewährleisten. Die Sicherheitszelle aus Carbon bietet selbst großgewachsenen Fahrern ausreichend Raum, zudem trägt die effiziente Luftdurchströmung des Innenraums vor allem bei Langstreckenrennen zur Aufrechterhaltung der Konzentration bei. Auf Wunsch sind sogar Klimaanlage und eine individuell regelbare Sitz- und Helmbelüftung verfügbar.

Die Evolutionsstufen des Mercedes-AMG GT3

Der Mercedes-AMG GT3 ist seit mehr als zehn Jahren im Einsatz, sodass es nahezu selbstverständlich ist, dass im Laufe der Jahre ein sogenanntes Evo-Paket, also eine umfassende Überarbeitung mit neuen bzw. optimierten Komponenten zur technischen Verbesserung sowie optischen Anpassung auf den Markt gebracht wurde.

Erste Generation des Mercedes-AMG GT3 (2015 bis 2019)

Die ursprüngliche Version des Mercedes-AMG GT3 debütierte 2015 und bildete ab der Saison 2016 die Basis des weltweiten Kundensportprogramms. Bereits die erste Variante überzeugte durch seine hohe Zuverlässigkeit und eine außergewöhnlich breite Einsatzfähigkeit, was den GT3-Boliden besonders für Neueinsteiger und Amateure einfach zu Fahren machte.

Dennoch erhielt das Fahrzeug im Laufe der ersten Einsatzjahre kontinuierliche Detailverbesserungen. Dazu zählten Software-Updates, Optimierungen an Kühlung und Elektronik sowie kleinere aerodynamische Anpassungen. Die hohe Robustheit machte den Mercedes-AMG GT3 besonders bei Langstreckenteams beliebt: Motor- und Getriebelaufzeiten galten schon früh als Benchmark innerhalb der Klasse.

Max Verstappen im Mercedes-AMG GT3 auf der Nürburgring-Nordschleife

Max Verstappen im Mercedes-AMG GT3 auf der Nürburgring-Nordschleife | Patrick Funk

Zweite Generation: Mercedes-AMG GT3 Evo (ab 2020)

Zur Saison 2020 präsentierte Mercedes-AMG eine umfassend überarbeitete Evolutionsstufe, die nicht nur optisch neu gestaltet wurde, sondern auch eine Vielzahl technischer Weiterentwicklungen mit sich brachte. Gleichzeitig zielten die Anpassungen darauf ab, die Betriebskosten weiter zu reduzieren und den Einsatz für Kundenteams insgesamt effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten.

In diesem Zuge konnte die Motorlaufzeit vor allem dank besserer Kühlung (neue Position des Ölkühlers) deutlich verlängert werden, wodurch Revisionen des 6,3-Liter-V8-Saugmotors beim Evo-Modell noch seltener erforderlich wurden. Auch die Integration neu entwickelter Bauteile trug zur Kostenoptimierung bei: Eine überarbeitete Fahrzeugfront verbesserte die Abschirmung des Kühlerbereichs, während ein neu konstruierter Integralträger das Schutzniveau für zentrale Komponenten des Vorderwagens, darunter Motor, Vorderachse und Lenkung, erhöhte.

Die Bremsenkühlung an der Vorderachse wurde durch einen vergrößerten Bremslufteinlasskanal, formstabile Leitungen mit größerem Durchmesser sowie eine neue Bremslufthutze aus Carbon inklusive optimiertem Hitzeschutzblech und überarbeitetem Bremssatteladapter für eine bessere Luftausströmung deutlich verbessert. Ein vergrößerter Bremsflüssigkeitsbehälter verbesserte den Einsatz im Langstreckenrennsport, ebenso wie langlebigere Spurstangen an der Hinterachse.

Im Bereich der Fahrzeugabstimmung kamen ein schnell verstellbarer Frontsplitter sowie eine ebenso zügig anpassbare Heckflügelmechanik zum Einsatz. Zusätzlich sorgten ein neu entwickelter Luftfilter mit verbesserter Zugänglichkeit sowie die generelle Reduzierung von Schraubverbindungen für weitere Zeitersparnisse im Service- und Wartungsbereich. Bestehende Fahrzeuge der Vorgängergeneration konnten mittels Evo-Kit nachgerüstet werden, was die Attraktivität für Bestandskunden deutlich steigerte.

Auch fahrdynamisch wurde das Paket des Mercedes-AMG GT3 weiter verfeinert: Bremsanlage und Traktionskontrolle wurden gezielt weiterentwickelt, wobei das einstellbare Renn-ABS bei Evo-Modell noch präziser auf die Spezifikationen der aktuellen Reifengenerationen abgestimmt war. Die optimierte Traktionskontrolle ermöglichte es, noch feinfühliger, reifenschonender und gleichzeitig mit maximaler Traktion stets nahe an der Schlupfgrenze zu arbeiten.

Insgesamt verfolgte das Entwicklungsziel, das Fahrzeug insbesondere für Amateurfahrer berechenbarer und einfacher abstimmbar zu machen. Auch optisch ist das Evo-Moll des AMG GT3 klar zu erkennen: Neue Frontschürze, überarbeitete Flics, ein modifizierter Frontdiffusor sowie eine neue Heckschürze unterschieden die neue Variante deutlich vom Vorgänger und brachten zugleich funktionale Vorteile durch eine weiter verbesserte Aerodynamik.

Die größten Erfolge des Mercedes-AMG GT3

Bereits in seiner Debütsaison setzte der Mercedes-AMG GT3 ein deutliches Ausrufezeichen: Beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2016 feierte Mercedes-AMG auf Anhieb einen Vierfachsieg. Hinzu kam einige Jahre später auch noch der Sieg bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps und den 24 Stunden von Daytona. Weitere Rennsiege und sogar Meistertitel beim Bathurst 12 Hour, dem FIA GT World Cup in Macau sowie zahlreichen Rennen der Nürburgring Langstecken-Serie, der amerikanischen IMSA-Serie und der Intercontinental-GT-Challenge runden die Erfolgsbilanz des Mercedes-AMG GT3 ab.

In der Saison 2021 feierte Maximilian Götz am Steuer eines Mercedes-AMG GT3 den Titelgewinn in der Fahrerwertung der DTM. In der Saison 2026 steht der Mercedes-AMG GT3 besonders im Fokus: Der vierfache Formel-1-Weltmeister Max Verstappen nahm mit dem GT3-Rennwagen aus Affalterbach am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring teil und lag gemeinsam mit seinen Teamkollegen über weite Strecken des Rennens in Führung, als eine Antriebswelle den Dienst quittierte. Den Sieg staubte das Schwesterauto, und damit ebenfalls ein Mercedes-AMG GT3, ab.


Bilder: Mercedes-AMG, Patrick Funk

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