Flottenmanagement für Amateure: Wann sich Mietfahrzeuge im semiprofessionellen Motorsport rechnen
Wer im Amateur- oder semiprofessionellen Motorsport unterwegs ist, weiß, dass das Rennfahrzeug selbst nur einen Teil ausmacht. Daneben gibt es noch Transporter, Servicefahrzeuge, Mietwagen für anreisende Teammitglieder und manchmal auch ein Zugfahrzeug für den Anhänger. Auf diese Weise entsteht schnell eine kleine Flotte, die verwaltet, bezahlt und versichert werden muss.
Eine Frage stellt sich somit: Wie kann man das alles unter einen Hut bringen und sinnvoll organisieren? Und was lohnt sich eher, mieten oder kaufen? Vor allem auf dem Niveau zwischen engagiertem Clubsport und kleinem Privatteam lohnt sich ein genauerer Blick auf die Kostenseite. Denn wer beispielsweise das ganze Jahr über fährt, kommt auf ein ganz anderes Ergebnis als Fahrer, die pro Saison nur einige Rennwochenenden absolvieren.
Kaufen oder mieten – eine entscheidende Frage im Amateurmotorsport
Ein eigener Transporter oder ein eigenes Zugfahrzeug sind eine feine Sache. Wenn man aber die Kosten durchgeht, kommen schnell Beträge zusammen, die bei einer begrenzten Anzahl von Einsätzen im Jahr nicht wirklich vertretbar sind.
Hier mal ein kleiner Überblick an Fixkosten:
TÜV, Inspektionen und unerwartete Reparaturen
Versicherung und Kfz-Steuer
Stellplatz oder Halle
Reifenwechsel und Saisonpflege
Für Teams, die nur an einigen Wochenenden fahren oder längere Strecken zur Rennstrecke zurücklegen müssen, kann ein Mietmodell deshalb viel interessanter sein. Internationale Anbieter wie Europcar haben große Flotten mit Pkw und Transportern, die sich für die Anreise zum Rennwochenende eignen. Es kann sich auch lohnen, lokale Anbieter in der jeweiligen Region in den Blick zu nehmen, beispielsweise Autovermietung Hegger (Niedersachsen) oder Meister Autovermietung (Ruhrgebiet). Bezahlt wird nur das, was man tatsächlich nutzt, und nach dem Event gibt man den Schlüssel einfach wieder ab. Gerade für Trackdays und Testtage ist das eine praktische Lösung.
Welche Fahrzeugtypen sich im Motorsport-Alltag bewähren
Je nach Art des Rennbetriebs sind die Anforderungen an die Begleitflotte sehr unterschiedlich. Wer ein Kart zum nächsten Lauf bringen will, braucht etwas anderes als ein Team, das einen GT4-Renner zum Nürburgring schleppt.
Grob lassen sich drei Einsatzprofile unterscheiden:
Kleintransporter und Kombis: Sie sind ideal für den Kartsport, Werkzeuge oder eine zusätzliche Fahrerausrüstung. Oft reicht ein solider Kombi oder ein Kastenwagen der unteren Mittelklasse.
Transporter bis 3,5 Tonnen: Dieser Transporter ist der Klassiker für kleine Teams, die neben der Werkstatteinrichtung und Ersatzteilen manchmal auch das Rennfahrzeug selbst hineinpacken, sofern es kompakt genug ist.
Zugfahrzeuge für Anhänger: Pickups oder stärkere SUV eignen sich für den Transport von Anhängern, wobei die Anhängelast eine entscheidende Rolle spielt.
Wer überlegt, einen Anhänger oder Transporter zu kaufen, sollte sich die Angebote in Ruhe anschauen und auf jeden Fall die Preise vorher vergleichen.
Wer darf das Fahrzeug bewegen?
Bei der Frage, wer im Team das gemietete Fahrzeug fahren darf, ist es normalerweise der Mieter selbst, der automatisch als Fahrer eingetragen wird. Zusätzliche Fahrer müssen separat aufgeführt und meist gegen einen Aufpreis mitversichert werden. Falls eine andere Person ohne die gesonderte Eintragung fährt und es zu einem Schadensfall kommt, kann der Versicherungsschutz teilweise oder schlimmstenfalls auch ganz entfallen.
Deshalb ist es absolut sinnvoll und notwendig, die infrage kommenden Fahrer bereits bei der Buchung anzugeben und mitzuversichern. Schließlich übernimmt gerade nach langen Renntagen auch schon mal ein Teamkollege das Steuer und auf der Fahrt wird sich abgewechselt.
Und auch das Mindestalter ist ein wichtiges Thema: Viele Mietwagenanbieter setzen für bestimmte Fahrzeugklassen ein höheres Alter voraus, gerade bei leistungsstarken Fahrzeugen oder größeren Transportern. Wer einen Anhänger mitführen will, benötigt gegebenenfalls auch eine entsprechende Führerscheinklasse.
Wann ein Kauf trotzdem Sinn macht
Trotz all dieser Punkte, die zu beachten sind, ist die Miete nicht immer die allerbeste Lösung für das Flottenmanagement von Amateuren. Wenn ein Team beispielsweise sehr viele Wochenenden im Jahr unterwegs ist, kann sich ein Kauf bezahlt machen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn man das Fahrzeug auch parallel im normalen Betrieb oder in der eigenen Werkstatt noch nutzen kann.
In folgenden Fällen ist ein Kauf durchaus angebracht:
Das Fahrzeug soll gleichzeitig als Werkstatt auf Rädern dienen und über eine fest eingebaute Ausrüstung verfügen.
Team-Logos, Beschriftungen und Folierungen sollen dauerhaft am Fahrzeug angebracht werden.
Das Team legt bei jedem Event, an dem teilgenommen wird, Wert auf einen einheitlichen Auftritt.
Es sind spezielle Aufbauten wie Schlafkabinen oder Hospitality-Elemente geplant.
Für diejenigen, die diesbezüglich nicht so hohe Ansprüche stellen, ist der Mittelweg am sinnvollsten. Einige Teams besitzen einen eigenen Transporter für das Rennfahrzeug und die Werkstatt und mieten beispielsweise zusätzlich einen Pkw für anreisende Fahrer oder Mechaniker. Auf diese Weise sorgen sie dafür, dass die Fixkostenbasis niedrig bleibt.
Tipps für die Flottenplanung im Amateurteam
Ein paar praktische Überlegungen können helfen, die eigene Situation besser einzuschätzen, beginnend mit der Einsatzrechnung: Wie viele Tage im Jahr wäre ein eigenes Fahrzeug wirklich im Einsatz? Der Transporter sollte nicht die meiste Zeit einfach in der Garage stehen. Pauschal gilt, je weniger Tage tatsächlich gefahren wird, desto eher lohnt sich die Miete und nicht der Kauf.
Eine wichtige Rolle spielen auch die zurückgelegten Kilometer. Kurze Strecken zur Heimstrecke sind kostentechnisch ganz anders zu bewerten als lange Touren durch halb Europa. Wer nur ein oder zwei Stunden bis zum Fahrerlager unterwegs ist, fährt mit einem Mietfahrzeug normalerweise besser. Bei längeren Anreisen fallen auch Spritkosten und Kilometerpauschalen ins Gewicht. Hier sollte man zwischen den eigenen Kosten pro Kilometer und dem Angebot des Mietanbieters vergleichen.
Wer seine Saisonplanung früh organisiert hat, bekommt oft bessere Konditionen als bei eher kurzfristigen Buchungen. Gerade zu Hauptreisezeiten oder während großer Motorsport-Events in der Nähe sind Mietfahrzeuge knapp. Deshalb zahlt sich eine frühzeitige Planung in jedem Fall aus.
Und was sagen eigentlich die Sponsoren? Manchmal übernehmen Partner die Miete für den Transporter oder stellen selbst ein Fahrzeug zur Verfügung. Ein Gespräch lohnt sich in dieser Hinsicht immer.
Letztendlich geht es darum, dass man die Fahrzeuge rund um den „Star“ der Flotte, das Rennfahrzeug, so organisiert, dass die Haushaltskasse so wenig wie möglich in Mitleidenschaft gezogen wird. Im Amateurbereich hat man meist nur ein begrenztes Budget zur Verfügung. Deshalb ist es umso wichtiger, zu Beginn der Saison einen Blick auf die Miet- und Kaufoptionen zu werfen und die Kosten auf beiden Seiten so gut wie möglich zu kalkulieren und abzuwägen.
Die Lösung sollte zum eigenen Rennkalender passen und nicht umgekehrt. Wer hier ehrlich durchrechnet, spart sich über die Saison hinweg oft mehr Geld, als er denkt.
Bilder: Brandon Woyshnis