BMW M3 Touring 24H (2026): Wie ein Aprilscherz die GT3-Elite ärgerte

Von Redaktion motorsportmarkt.de

BMW M3 Touring 24H (2026): Wie ein Aprilscherz die GT3-Elite ärgerte

Es ist eine jener Geschichten, die im modernen und hoch professionellen Motorsport eigentlich zu absurd klingen, um wahr zu sein: Was einst als harmloser Aprilscherz in den sozialen Netzwerken begann, entwickelte sich binnen weniger Monate zu einem der wohl ungewöhnlichsten und spektakulärsten Rennwagen, die jemals über die Nürburgring-Nordschleife gejagt wurden: dem BMW M3 Touring 24H. Ein Kombi mit kompromissloser GT3-Technik, bis zu 590 PS und einer Höchstgeschwindigkeit über 280 km/h. BMW bewies damit eindrucksvoll, dass selbst im streng kalkulierten Werkssport manchmal noch Platz für mutige Ideen, Emotionen und eine gute Portion Wahnsinn bleibt. MotorsportMarkt.de erklärt, wie aus einem Internet-Gag plötzlich ein ernstzunehmender Konkurrent für die etablierte GT3-Elite wurde.

Die verrückte Geschichte des BMW M3 Touring 24H

Die Idee, einen reinrassigen Rennwagen auf Basis eines Kombis zu entwickeln, geisterte den Ingenieuren der BMW M GmbH schon länger in den Köpfen herum. Spätestens seit dem Jahr 2022, kurz nach der offiziellen Markteinführung des BMW M3 Touring als Serienmodell, war der Gedanke präsent, auch eine Rennversion des Touring zu bauen. Doch im realen und vor allem hochprofessionellen Motorsport, geprägt von engen Budgets, technischen Reglements und maximaler Effizienz, blieb der "Renn-Kombi" lange Zeit genau das, was er zunächst war: eine verrückte Idee, ohne konkrete Perspektive.

Das änderte sich allerdings ein paar Jahre später. Am 1. April 2025 veröffentlichte BMW M Motorsport in den sozialen Netzwerken das computergenerierte Rendering eines extrem verbreiterten BMW M3 Touring im kompromisslosen GT3-Look. Die Bilder waren als Aprilscherz gedacht, doch der Beitrag entwickelte schnell eine Eigendynamik. Die Kommentare explodierten, die Reichweiten schnellten in die Höhe, und innerhalb kürzester Zeit erreichte der Beitrag ein Millionenpublikum. Nach mehr als 1,6 Millionen Aufrufen war klar: Die Idee des GT3-Kombis traf einen Nerv.

Die Resonanz blieb auch bei BMW nicht unbemerkt. Inspiriert vom gewaltigen Echo der Fans fackelte die Führungsetage um BMW-Motorsportchef Andreas Roos nicht lange. Aus der ursprünglich losen Idee wurde innerhalb kürzester Zeit ein offizielles Projekt, das im Sommer 2025 endgültig grünes Licht erhielt. Die Marschrichtung war von Beginn an klar definiert: Der M3 Touring 24H sollte kein reines Showcar oder nur ein Marketing-Gag werden. Das Ziel der Entwicklung war ein vollwertiger Rennwagen, der sich nach denselben Maßstäben messen lassen musste wie der bekannte GT3-Rennwagen der Marke, der BMW M4 GT3 Evo – und zwar nicht nur bei Sicherheit und Haltbarkeit, sondern auch mit Blick auf die Performance.

BMW M3 Touring 24H

Bei den ersten Rennen war der M3 Touring 24H mit einem anderen Design am Start | Patrick Funk

Was folgte, war eine Entwicklungsleistung in Rekordzeit. In rund acht Monaten entstand ein Einzelstück des BMW M3 Touring 24H, das den Spagat zwischen emotionaler Fan-Idee und harter Rennrealität schaffen musste. Als technische Basis diente der BMW M4 GT3 Evo, die Grundkarosserie stammte allerdings vom BMW M3 Touring. Die erste Phase der Entwicklung, vom Beginn der Modifikation einer Serien-Karosserie bis zum ersten Rollout auf der Rennstrecke, dauerte gerade einmal 16 Wochen. Obwohl ein Großteil der Außenhaut komplett neu entwickelt werden musste, profitierte BMW von den langjährigen Erfahrungen im GT-Sport sowie einem zuverlässigen Netz an Zulieferern, was die Entwicklung insgesamt vereinfachte und beschleunigte.

Im März 2026 präsentierte BMW schließlich die finale Rennversion des M3 Touring und bestätigte gleichzeitig den Einsatz beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Damit war klar: Die Internet-Idee war endgültig im professionellen Motorsport angekommen. Für die ersten Rennen wählte BMW ein besonderes Design-Konzept, das echte Social-Media-Kommentare aus dem ursprünglichen Aprilscherz integrierte, zusammen mit dem Leitspruch "You dreamed it. We built it." und dem Hashtag der Kampagne: #WeBuiltIt. Ein Schritt, der die ungewöhnliche Herkunft des Projekts noch einmal sichtbar machte.

Für den großen Höhepunkt, dem Start beim 24h-Rennen am Nürburgring im Mai 2026, erhielt der Touring sein finales Design: Die Frontpartie zeigt sich dabei überwiegend in Schwarz und ist lediglich durch feine Streifen in den typischen Farben der BMW M GmbH dezent akzentuiert. Der Heckbereich fällt deutlich kontrastreicher aus, denn in Zusammenarbeit mit Partner Shell kommt dort eine auffällige Farbkombination aus Weiß, Gelb und Rot zum Einsatz.

Die Technik des BMW M3 Touring 24H

Unter der markanten Silhouette des Kombis verbirgt sich modernste Rennsport-Technik, die allerdings nicht komplett neu entwickelt wurde, sondern in großen Teilen aus dem bisherigen BMW M4 GT3 Evo übernommen wurde. Die größte Schwierigkeit bei der Entwicklung des M3 Touring 24H waren deshalb nicht Antrieb oder Fahrwerk, sondern die für einen Rennwagen ungewöhnliche Karosserieform. Bedingt durch die Touring-Dachform ergibt sich ein erhöhter Luftwiderstand, der sowohl das Topspeed-Potenzial auf der Geraden als auch die aerodynamische Effizienz in High-Speed-Kurven spürbar begrenzte. Zusätzlich drohten Strömungsabrisse an der Dachkante gefährlichen Auftrieb an der Hinterachse zu erzeugen.

Technische Daten des BMW M3 Touring 24H
Baujahr:2026
Preis:unverkäufliches Einzelstück
Motor
Motor:P58 3,0l Reihensechszylinder M TwinPower Turbo
Leistung:bis zu 590 PS (je nach BoP)
Drehmoment:bis zu 700 Newtonmeter
Hubraum:2.993 cm³
Getriebe:X-Trac 6-Gang-Getriebe (Typ G1337)
Kupplung:elektro-hydraulisch
Motorsteuerung:Bosch ECU 408
Karosserie
Länge:5.218mm (inkl. Splitter und Heckflügel)
Breite:2.040 mm
Höhe:1.340 mm (variabel)
Radstand:2.917 mm
Radgröße:12,5 x 18 Zoll vorne; 13 x 18 Zoll hinten
Fahrwerk
Bremsen:390mm-Bremsscheibe & 6-Kolben-Bremssättel vorne
380mm Bremsscheibe & 4-Kolben-Bremssättel hinten
Radgröße:12,5 x 18 Zoll vorne; 13 x 18 Zoll hinten
Fahrwerk:verstellbare 5-Wege-Dämpfer von KW

Die Ingenieure arbeiteten deshalb besonders intensiv an der Weiterentwicklung des Heckflügels, weil die Wirkung durch die Nähe zum Dach und der Heckscheibe deutlich reduzierter war als bei der klassischen Coupéform, wodurch sich zumindest in der Anfangsphase der Entwicklung auch eine deutliche Verschiebung der aerodynamischen Balance nach vorn ergab. Außerdem ist der Touring im Vergleich zum M4 ein echter Riese, denn er misst in der Länge stolze 5.218 Millimeter, also 200 Millimeter mehr als sein sportlicher Bruder.

Zwar wurde der Heckflügel in großen Teilen vom BMW M4 GT3 Evo übernommen, allerdings wurde eine eigene Flügelaufnahme (auch Schwanenhals) entwickelt, die 200 Millimeter nach hinten und 32 Millimeter nach oben versetzt wurde, damit der Heckflügel einen größeren Abstand zu Dach und der Heckscheibe hat. Zusätzlich wurde die Luftanströmung zum Flügel verbessert und störender Auftrieb am hinteren Dachbereich eliminiert, ohne den Gesamtwiderstand zu erhöhen. Flügel und hinterer Spoiler wurden dabei gemeinsam abgestimmt, um die aerodynamische Balance des Fahrzeugs wieder auf ein Niveau zu bringen, das dem BMW M4 GT3 Evo entspricht. Insgesamt zielte die Entwicklung konsequent darauf ab, den Luftwiderstand zu reduzieren und gleichzeitig die aerodynamische Effizienz und Stabilität im Heckbereich zu steigern.

Die Steifigkeit und der Schwerpunkt der Karosserie wurden so optimiert, dass sie den extrem strengen Sicherheitsstandards des FIA-GT3-Reglements entsprechen. Eine der größten Herausforderungen war die Konstruktion des Überrollkäfigs, weil dieser völlig neu entwickelt und strukturell tief in den langen Touring-Dachaufbau eingebunden werden musste. Eine weitere Besonderheit: Der Käfig wurde direkt mit einer zusätzlichen Beifahrer-Schutzvorrichtung versehen, sodass das Auto in Zukunft mit einem zweiten Sitz auch als Renntaxi genutzt werden kann.

Aufgrund der geänderten B-Säulen- und Türgeometrie des Touring mussten die Ingenieure die Position des Fahrersitzes im Vergleich zum M4 GT3 um 60 Millimeter nach vorne verlegen, um den Fahrern einen sicheren und reglementkonformen Ein- und Ausstieg bei den hektischen Boxenstopps zu ermöglichen. Der Vorderbau und die Crash-Strukturen konnten eins zu eins vom M4 GT3 Evo übernommen werden. Auch das Befestigungs- und Wechselkonzept ist analog zum bestehenden GT3-Boliden, um die Anbauteile der Karosserie im Falle eines Unfalls möglichst schnell wechseln zu können bzw. Zugang zur darunterliegenden Technik zu erhalten. Interessant: Die hinteren Türen des Touring sind als Verkleidung ausgelegt, nicht als funktionierende Tür.

Welchen Motor hat der BMW M3 Touring 24H?

Das Herzstück des Rennwagens ist der P58-Motor, ein 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit M TwinPower Turbo. Er basiert auf dem S58-Triebwerk der M-Serienmodelle, wurde aber für den Einsatz auf der Rennstrecke etwas modifiziert. Ausgestattet mit einer Trockensumpf-Schmierung (für eine sichere Ölversorgung bei extremen Fliehkräften), einer speziell angepassten Luftansaugung und einem maßgeschneiderten Abgasstrang mit zwei Turboladern leistet das nur 170 Kilogramm schwere Aggregat je nach BoP-Einstufung bis zu 590 PS bei 6.500 U/min sowie ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmetern.

Um den systembedingten Nachteil beim Topspeed auszugleichen, griffen die Regelhüter der SPX-Klasse dem Projekt mit einer leicht modifizierten Balance of Performance (kurz BoP) unter die Arme, die im Vergleich zum M4 GT3 Evo etwas mehr Ladedruck im mittleren Drehzahlbereich erlaubte, sodass der Touring trotz steilerer Flügelstellungen auf den Geraden weiterhin konkurrenzfähig blieb. Ein massiver Leistungsvorteil entstand dadurch allerdings nicht. Die Kraftübertragung an die Hinterachse erfolgt über eine elektro-hydraulische Sinter/Carbon-Kupplung und ein sequenzielles 6-Gang-Transaxle-Getriebe von Xtrac (Typ G1337).

Beim Fahrwerk vertraute BMW M Motorsport auf die bewährte Kinematik des M4 GT3 Evo. An der Vorderachse arbeitet eine Doppeldreiecksquerlenker-Konstruktion, während hinten eine hochpräzise Multilenker-Achse zum Einsatz kommt. Alle Lenker sind aus dem vollen Aluminium gefräst. Kombiniert wird das System mit einstellbaren Stabilisatoren und hochkomplexen 5-Wege-Dämpfern von KW. Als Reifenpartner fungierte Yokohama, deren Ingenieure in enger Zusammenarbeit mit dem Einsatzteam Schubert Motorsport spezielle Reifendrücke und Aufwärmprozeduren entwickelten, um auf dem legendären Eifel-Asphalt das Maximum an Grip zu finden.

BMW M3 Touring 24H: So lief das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring

Sowohl bei den ersten Härtetests in der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) als auch bei der ultimativen Feuerprobe, dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, setzte BMW auf die Erfahrung des renommierten Einsatzteams von Schubert Motorsport. Der M3 Touring, der in der SPX-Klasse für nicht homologierte Rennwagen startete, wurde von einem hochkarätigen Quartett aus den Werksfahrern Jens Klingmann, Connor De Phillippi, Neil Verhagen und Ugo de Wilde pilotiert. Das anvisierte Ziel beim 24h-Langstreckenklassiker war ein Platz in den Top 10, doch schon im Qualifying stellte der M3 Touring 24H sämtliche Erwartungen auf den Kopf: Mit einer fabelhaften Rundenzeit von 8:16 Minuten brannte Jens Klingmann eine Zeit in den Asphalt, die den Kombi bereits zum schnellsten BMW im gesamten Feld machte.

BMW M3 Touring 24H bei den 24h Nürburgring 2026

Der BMW M3 Touring 24H erreichte bei den 24h Nürburgring 2026 den fünften Platz | Patrick Funk

Im Rennen selbst entpuppte sich ein vermeintlicher Nachteil plötzlich als größter Trumpf: Durch die voluminöse Rohkarosse und den massiven Käfigaufbau war das Chassis des Touring spürbar steifer als das seiner GT3-Brüder. Genau diese Eigenschaft half dem Fahrerquartett offenbar dabei, mehr Last auf die Slickreifen zu bringen und sie damit besser auf Temperatur zu bekommen. Besonders in der Nacht, wo die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt lagen, fand der M3 Touring sein Arbeitsfenster deutlich schneller als viele GT3-Konkurrenten. Der Wagen fuhr in dieser Phase des Rennens besonders schnelle Rundenzeiten und schnupperte sogar schon am Gesamtpodium.

Denn während sich drumherum die großen Dramen abspielten, Favoriten strauchelten und Unfälle das Feld dezimierten, spulte der Kombi sein Pensum stoisch ab. Lediglich eine 45-Sekunden-Zeitstrafe wegen der Missachtung von Flaggensignalen sowie ein kleinerer Besuch im Kiesbett, nachdem Werksfahrer Jens Klingmann auf eine Ölspur weggerutscht war, verhinderten wohl ein besseres Ergebnis. Nach 24 Stunden überquerte der BMW M3 Touring 24H die Ziellinie auf dem fünften Gesamtrang und sicherte sich damit auch einen dominanten SPX-Klassensieg. "Wir haben gesehen, dass das Auto am Ende nicht nur ein Aprilscherz war, sondern ein kompetitives Fahrzeug, das konstant in den Top 5 lag", jubelte Klingmann.

"Wir wussten, dass das Auto stark sein würde, aber dieses Ergebnis zeigt wirklich, wie besonders dieses Projekt mit dem BMW M3 Touring 24H war", ergänzt Teamkollege Verhagen. "Am Ende schmerzt es ein bisschen, weil wir gesehen haben, dass das Potenzial da war, um vielleicht sogar um das Gesamtpodium zu kämpfen. Aber wir hatten nicht das nötige Glück. Trotzdem bin ich sehr dankbar, Teil des Programms zu sein, und sehr glücklich, den BMW M3 Touring 24H gefahren zu haben. Ich denke, er wird definitiv als eines der, wenn nicht das coolste Auto in die Geschichte eingehen, das jemals auf der Nürburgring-Nordschleife Rennen gefahren ist."

Wie sieht die Zukunft des BMW M3 Touring 24H aus?

Nach dem großen Erfolg beim 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife stellte sich unter den Fans schnell die Frage nach den langfristigen Plänen für das ungewöhnliche Fahrzeugkonzept, doch eine Fortführung oder gar Ausweitung des Projekts scheint kein Thema: Der BMW M3 Touring 24H wird ein exklusives Einzelstück bleiben. Eine Homologation oder der Verkauf an Kundenteams ist seitens des Herstellers derzeit nicht vorgesehen.

Ganz verschwinden wird der außergewöhnliche Renn-Kombi allerdings nicht. In den kommenden Monaten soll der BMW M3 Touring 24H bei ausgewählten Demonstrationsfahrten und Ausstellungen erneut ins Rampenlicht rücken, unter anderem bei der Parade im Vorfeld der 24 Stunden von Le Mans, den 24 Stunden von Spa-Francorchamps, dem Goodwood Festival of Speed sowie im Rahmenprogramm der MotoGP am Red-Bull-Ring in Spielberg.

Weil die Ingenieure den Überrollkäfig so konzipiert haben, dass noch ein Beifahrersitz eingebaut werden kann, dürften künftig auch Taxifahrten durchgeführt werden. Angeblich wurde der ungewöhnliche Rennwagen bereits an einen Sammler verkauft, doch BMW-Motorsportchef Andrea Roos wollte sich nach dem 24h-Rennen noch nicht dazu äußern, wie es in den kommenden Monaten weitergehen wird. Sicher ist jedoch, dass der BMW M3 Touring 24H nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird – allein schon wegen seiner spektakulären Geschichte und seines beeindruckenden Auftritts bei der 54. Auflage der 24 Stunden am Nürburgring.


Bilder: Patrick Funk

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