24h Nürburgring: Geschichte, Rennklassen & alle Informationen
Das 24h-Rennen auf dem Nürburgring (offiziell: ADAC RAVENOL 24h Nürburgring) zählt zu den berühmtesten und zugleich eigenwilligsten Motorsport-Veranstaltungen der Welt, die Jahr für Jahr mehrere hunderttausend Fans in die Eifel lockt. Nicht ohne Grund tragen die 24h Nürburgring den Beinamen als „größtes Autorennen der Welt“: Kaum ein anderes Event vereint eine derart heterogene Fahrzeugflotte, ambitionierte Privatteams und Werkseinsätze auf einer Strecke, die als ultimative Herausforderung gilt – der legendären Nordschleife des Nürburgrings.
Die Nordschleife: Wo findet das 24h-Rennen am Nürburgring statt?
Rennklassen bei den 24h Nürburgring: Vom Dacia bis zum GT3-Boliden
Die GT3-Spitze: Hochtechnologie und Werksprestige in der SP9
Die Breitensportler: Das pulsierende Herz und die Seele des Rennens
Selbst bei den 24h Nürburgring mitfahren? So „einfach“ geht’s!
Ein spezieller „Nordschleifen-Führerschein“ als Voraussetzung
Fahrerplatz mieten: Was kostet die Teilnahme bei den 24h Nürburgring?
Wetterkapriolen und tödliche Gefahren: Die dunkle Seite der 24h Nürburgring
Seit der Premiere im Jahr 1970 hat sich das 24h-Rennen vom breitensportlich geprägten Abenteuer zu einem der international bedeutendsten Langstreckenklassiker entwickelt. Doch trotz zunehmender Professionalisierung und technischer Perfektion ist sein ursprünglicher Geist erhalten geblieben: ein offenes Kräftemessen, bei dem ambitionierte Amateure Seite an Seite mit professionellen Werksfahrern um die Grenzen von Mensch und Maschine ringen. MotorsportMarkt.de verrät alles, was die Fans über den Eifelklassiker wissen sollten.
Die Geschichte des 24-Stunden-Rennens am Nürburgring
Die Geschichte des 24h-Rennens am Nürburgring ist vergleichsweise jung, aber nicht minder legendär. Während der 24h-Klassiker in Le Mans bereits seit 1923 existiert, wurde das erste 24-Stunden-Rennen in der Eifel erst im Jahr 1970 ausgetragen. Initiiert wurde es schon damals vom ADAC, als erschwingliche Ergänzung zum 1000-km-Rennen, und um vor allem dem Breitensport eine große Bühne zu bieten. Mit insgesamt 96 Teams war das Starterfeld bei der Premiere des 24h-Rennens bis auf den letzten Platz ausgebucht, denn mehr Autos durften zu dieser Zeit nicht auf der Nordschleife starten.
Nach 123 Runden feierten Hans-Joachim Stuck und Clemens Schickentanz im Koepchen-BMW 2002 mit zwei Runden Vorsprung auf den Zweitplatzierten den Sieg. In den Anfangsjahren waren es vor allem seriennahe Tourenwagen von BMW, Ford und Opel, die das Geschehen dominierten. Besonders die Münchener prägten die Frühphase des Rennens und BMW ist bis heute der erfolgreichste Hersteller in der Geschichte des Klassikers.
In den 1980er-Jahren entwickelte sich das Rennen von einer reinen Breitensport-Veranstaltung zu einem internationalen Event, das auch Werksteams anzog. Die legendären Duelle zwischen BMW M3 und Ford Sierra Cosworth begeisterten die Massen. Gleich dreimal musste das 24h-Rennen am Nürburgring allerdings auch ausfallen: In den Jahren 1974 und 1975 pausierte die Veranstaltung aufgrund der Ölkrise, im Jahr 1983 wurde die Strecke umgebaut.

Das 24h-Rennen zieht hunderttausende Fans an die Nordschleife | Patrick Funk
Mitte der 1990er-Jahre ließ das Interesse an der Veranstaltung kurzzeitig nach, als die DTM nicht mehr im Rahmenprogramm gastierte und beim 24h-Rennen nur noch seriennahe Gruppe-N-Tourenwagen zugelassen waren. Zu dieser Zeit kehrten auch die Werke dem Eifelklassiker vorerst wieder den Rücken, weshalb die Amateur-Rennfahrer wieder um die Gesamtsiege fuhren. In den Jahren 1996 und 1997 holte mit Sabine Schmitz (damals Sabine Reck) zum ersten und bis heute einzigen Mal auch eine Frau den Sieg beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring.
Kurz vor der Jahrtausendwende waren auch die leistungsstärkeren GT-Rennwagen wieder zugelassen: Die privat eingesetzte Chrysler Viper GTS-R von Zakspeed war bei ihrem Debüt 1999 nicht zu bremsen und holte mit Rundenzeiten, die teilweise bis zu 40 Sekunden schneller waren als die der Verfolger, einen ungefährdeten Sieg. Seit 2003 haben die Werke wieder das Sagen: Den Auftakt machte Opel, die überraschend mit dem Astra V8 Coupé aus der DTM triumphierten. Es folgten der legendäre BMW M3 GTR und BMW M3 GT2 von Schnitzer Motorsport sowie mehrere Gesamtsiege für den gelb-grünen Porsche 997 GT3 RSR (Spitzname: „der Dicke“) von Manthey Racing.
Mit der Einführung der GT3-Kategorie zur Saison 2009 erreichte das 24h-Rennen am Nürburgring eine neue technologische Reife. Erstmals in der Geschichte des Rennens war es möglich, ein siegfähiges Rennfahrzeug direkt vom Hersteller zu erwerben. Bis sich dieses Potenzial auch im Gesamtklassement niederschlug, verging jedoch etwas Zeit: Erst im Jahr 2012 gelang einem GT3-Fahrzeug der Durchbruch, als Phoenix Racing mit dem Audi R8 LMS ultra den Gesamtsieg einfuhr und damit die Wettbewerbsfähigkeit der GT3-Klasse endgültig unter Beweis stellte.
Seither ist das 24h-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife fest in der Hand der GT3-Kategorie: Auf die ersten Erfolge folgten weitere Gesamtsiege, allen voran durch die Ingolstädter, aber auch durch den Mercedes-Benz SLS AMG GT3 und dessen Nachfolger, den Mercedes-AMG GT3. Ebenso reihte sich BMW mit dem M6 GT3 und dem M4 GT3 Evo in die Siegerlisten ein, sowie Porsche mit dem 911 GT3 R und Ferrari mit dem 296 GT3.
Wo findet das 24h-Rennen am Nürburgring statt?
Der Schauplatz des legendären 24h-Rennens ist eine einzigartige Kombination aus der modernen Grand-Prix-Strecke und der historischen Nordschleife. Mit einer Gesamtlänge von 25,378 Kilometern und über 70 Kurven handelt es sich um die längste und schwierigste permanente Rennstrecke der Welt, die von der Formel-1-Legende Jackie Stewart einst ehrfürchtig als „Grüne Hölle“ getauft wurde. Charakteristisch sind die enormen Höhenunterschiede von rund 300 Metern zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Punkt sowie extreme Steigungen und Gefälle von bis zu 18 Prozent.
Streckenabschnitte wie das berühmte Caracciola-Karussell mit seinen unebenen Betonplatten, die rasante Fuchsröhre oder der Flugplatz fordern von den Piloten höchste Konzentration über die volle Distanz. Weil es auf der Nordschleife kaum Auslaufzonen gibt und oft nur wenige Zentimeter Gras das Asphaltband von den Leitplanken und Eifelwäldern trennen, führt schon der kleinste Fehler unweigerlich zum Unfall und damit zum vorzeitigen Ausfall. Die Nordschleife ist allein schon eine Herausforderung, doch im Rahmen des 24-Stunden-Rennens, mit dem Verkehr aus verschiedenen Rennklassen, der einbrechenden Dunkelheit und wechselnden Wetterbedingungen, kommt hier fast jeder Rennfahrer an seine Grenzen.
Ablauf eines klassischen 24h-Rennwochenendes am Nürburgring
Die 24h Nürburgring sind weit mehr als nur ein sportlicher Wettbewerb am Wochenende; es ist ein gigantisches, tagelanges Festival der Fankultur. Schon am Montag, also knapp eine Woche vor dem offiziellen Start des Rennens, sichern sich mehrere zehntausend Hardcore-Fans die besten Plätze rund um die legendäre Strecke, bauen provisorische Tribünen aus Gerüsten und feiern ausgiebig bei Grillfleisch und Musik.
Den Auftakt in das eigentliche Rennwochenende macht traditionell der Adenauer Racing Day, bei dem die ersten Rennfahrzeuge bereits am Mittwoch vor dem Rennen in einem Korso von der Nordschleife direkt in die Innenstadt von Adenau fahren. Der "Marktplatz" wird dann zur Bühne für die Fahrer und Teams, die ihre Boliden präsentieren und die ersten Autogramme verteilen. Der Eintritt für die Zuschauer ist frei und es ist die perfekte Möglichkeit, um den Akteuren noch einmal besonders nahe zu kommen.
Der sportliche Ablauf beginnt am Donnerstag mit den ersten Trainings und dem beliebten Nacht-Qualifying, das bis kurz vor Mitternacht und damit bereits bis in die Dunkelheit geht. Die endgültige Startreihenfolge entscheidet sich dann allerdings erst im finalen Qualifying am Freitag, wobei die schnellsten Autos seit 2012 in einem sogenannten „Top-Qualifying“ um die begehrte Pole-Position kämpfen, das einem Einzelzeitfahren gleicht. Der Modus wurde in den vergangenen Jahren mehrfach geändert und angepasst, um den Fans eine möglichst spannende Entscheidung zu bieten.
Der Rennstart erfolgt traditionell am Samstagnachmittag, entweder um 15 oder 16 Uhr. Das Starterfeld ist mit rund 150 Fahrzeugen so groß, dass in drei zeitversetzten Gruppen gestartet werden muss. Dennoch gehören die ersten Stunden in der Regel zur chaotischen Phase des Rennens, wenn sich die PS-starken GT3-Boliden ihren Weg durch den Verkehr der langsameren Klassen bahnen müssen. Der Sonntagmorgen entscheidet dann oft über Sieg oder Niederlage, wenn die Müdigkeit einsetzt und die Fehlerquote besonders hoch ist. Nach 24 Stunden fällt in der Eifel schließlich die Zielflagge.
Rennklassen bei den 24h Nürburgring: Vom Dacia bis zum GT3-Boliden
Die besondere Vielfalt an unterschiedlichen Rennwagen ist das Markenzeichen des 24-Stunden-Rennens am Nürburgring. Während beim Klassiker in Le Mans nur wenige Klassen gegeneinader antreten, starten in der Eifel bis zu 30 verschiedene Kategorien gleichzeitig, vom seriennahen Dacia Logan über Cup-Fahrzeuge bis zum hochgezüchteten GT3-Boliden, der um den Gesamtsieg fährt. Das führt zu extremen Geschwindigkeitsunterschieden zwischen den verschiedenen Rennwagen und fordert die permanente Aufmerksamkeit von allen Beteiligten. Dennoch kommt es beim Überrunden nicht selten zu Unfällen.
Die GT3-Spitze: Hochtechnologie und Werksprestige in der SP9
Die Klasse SP9, international bekannt als GT3-Kategorie, bildet die unangefochtene Speerspitze des 24h-Rennens. Hier geht es längst nicht mehr allein um den olympischen Gedanken, sondern um knallharte Duelle der weltweit führenden Automobilhersteller. Rennwagen wie Audi R8 LMS, Porsche 911 GT3 R, BMW M4 GT3, Mercedes-AMG GT3 oder Ferrari 296 GT3 sind keine modifizierten Straßenwagen, sondern reinrassige Rennmaschinen, die von Grund auf für den Wettbewerb auf höchstem Niveau konstruiert wurden.

Der Opel Manta mit Fuchsschwanz war Kult beim 24h-Rennen | Patrick Funk
Obwohl die GT3-Klasse offiziell als Kundensport deklariert ist, wird der Gesamtsieg heute fast ausschließlich durch sogenannte Performance-Teams ausgetragen. Diese Teams erhalten meist volle Werksunterstützung, erfahrene Ingenieure aus den Entwicklungsabteilungen der Hersteller und die besten Profi-Rennfahrer der Welt. Für die Marken ist das 24h-Rennen am Nürburgring ein entscheidendes Schaufenster: Ein Sieg in der „Grünen Hölle“ gilt als ultimativer Beweis für die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der eigenen Technologie unter extremsten Dauerbelastungen.
Die Breitensportler: Das pulsierende Herz und die Seele des Rennens
Während die GT3-Boliden für die Schlagzeilen und die technologische Brillanz sorgen, schlägt das wahre Herz der Veranstaltung in den kleineren Klassen. In Kategorien wie der V4, VT2 oder SP3 findet man das eigentliche Rückgrat des Nürburgrings. Hier treten Fahrzeuge an, die man theoretisch auch im alltäglichen Straßenverkehr antrifft – vom bewährten BMW 3er über den VW Golf GTI bis zum kompakten Hyundai i30N. Diese Autos sind lediglich durch Sicherheitszellen, Rennsitze und optimierte Fahrwerke für den Renneinsatz modifiziert, bewahren sich aber ihre Identität als seriennahe Tourenwagen.
Hinter diesen Fahrzeugen stehen keine millionenschweren Konzerne, sondern leidenschaftliche Privatteams, kleine Familienbetriebe und Freundescliquen, die das ganze Jahr über jede freie Minute und oft ihr gesamtes Erspartes opfern, um einmal im Jahr das 24h-Abenteuer auf der Nordschleife zu bestehen. In diesen Garagen sind die Mechaniker oft Freiwillige, die ihren Jahresurlaub nehmen, um in der Boxengasse bei Wind und Wetter Reifen zu wechseln oder die Autos in Windeseile wieder fit zu machen.
Einige dieser Teilnehmer haben über die Jahrzehnte einen beispiellosen Kultstatus erreicht. Der legendäre Opel Manta mit seinem Fuchsschwanz war über Jahre hinweg das inoffizielle Maskottchen des Rennens und wurde von den Fans an der Strecke bei jeder einzelnen Vorbeifahrt leidenschaftlicher gefeiert als die Führenden im Gesamtklassement. Auch der Dacia Logan genießt mittlerweile Kultstatus. Genau diese „David gegen Goliath“-Geschichten sind es, die das 24h-Rennen am Nürburgring so besonders und für die Zuschauer entlang der Strecke greifbar machen.
Was hat es mit der Balance of Performance (BoP) auf sich?
Wie bei den 24 Stunden von Le Mans bildet auch am Nürburgring die sogenannte Balance of Performance (kurz: BoP) das regulatorische Fundament, um trotz verschiedener technischer Ansätze und den grundverschiedenen Fahrzeugkonzepten in der GT3-Klasse (SP9) einen fairen sportlichen Wettbewerb zu gewährleisten. Hier treffen unterschiedliche Motoren, vom V10-Saugmotor bis zum V8-Biturbo, sowie diverse Antriebskonzepte, vom klassischen Heckmotor bis zum Mittel- oder Frontmotor, aufeinander.
Um die daraus resultierenden physikalischen Vor- und Nachteile auszugleichen, legt der Veranstalter für jedes GT3-Modell spezifische Parameter fest. Zu den zentralen Stellschrauben gehören beispielsweise das Mindestgewicht des Fahrzeugs, der Durchmesser der Luftmengenbegrenzer (Restriktoren) bei Saugmotoren sowie die Ladedruckkurven bei Turbomotoren. Darüber hinaus werden auch die Tankkapazität und die Durchflussmenge beim Nachtanken reguliert, um die Standzeiten bei den Boxenstopps und die Stintlänge zu vereinheitlichen. Das mathematische Ziel dieses komplexen Prozesses ist es, die Fahrzeuge auf ein identisches Rundenzeit-Potenzial zu bringen.
Doch was auf dem Papier nach Fairness klingt, sorgt in der Realität regelmäßig für hochemotionale Debatten und psychologische Kriegsführung im Fahrerlager. Weil die BoP oft bis unmittelbar vor dem Rennstart auf Basis neuester Erkenntnisse und Trainingsdaten angepasst wird, entbrennt zwischen den Herstellern ein regelrechter Zündstoff. Vorwürfe des „Sandbaggings“, also dem bewussten Zurückhalten von Leistung im Training, um eine günstigere Einstufung für das Rennen zu erschleichen, gehören am Nürburgring fast schon zur Tradition. So wird die BoP zu einem nervenaufreibenden Schachspiel, bei dem Ingenieure und Strategen genauso hart um Millimeter und Millibar kämpfen wie die Piloten um Zentimeter und Millisekunden auf der Strecke.
Selbst bei den 24h Nürburgring mitfahren? So „einfach“ geht’s!
Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring stellt für zahllose Rennfahrer den ultimativen Traum dar, den es im Laufe einer Karriere mindestens einmal zu verwirklichen gilt. Doch der Weg in das Renncockpit ist weit mehr als eine bloße Formsache; er ist ein streng reglementierter Prozess, der sicherstellen soll, dass nur Piloten mit ausreichender Expertise auf die „Grüne Hölle“ losgelassen werden. Während die Nordschleife im Rahmen der sogenannten Touristenfahrten regelmäßig für jedermann öffnet, ist das eigentliche 24h-Rennen nichts für Motorsport-Neulinge.
Ein spezieller „Nordschleifen-Führerschein“ als Voraussetzung
Heißt im Klartext: Wer hier starten möchte, muss besondere Voraussetzungen erfüllen und zwingend über die sogenannte DMSB Permit Nordschleife (DPN) verfügen, eine besondere Rennlizenz, die oft als „Führerschein für die Nordschleife“ bezeichnet wird, und die ein Mindestmaß an Streckenkenntnis und Erfahrung im dichten Überholverkehr garantieren soll.

Auch seriennahe Rennwagen fahren bei den 24h Nürburgring mit | Patrick Funk
Das spezielle Lizenzsystem ist in drei Leistungsstufen unterteilt, um eine schrittweise und sichere Heranführung an die anspruchsvollen Bedingungen zu gewährleisten. Die Einstiegsstufe bildet die Permit C, die primär für die Breitensport-Veranstaltungen gedacht ist, beispielsweise das 3-Stunden-Rennen der Rundstrecken-Challenge Nürburgring (RCN) oder diverse Youngtimer-Rennen. Für das 24-Stunden-Rennen ist jedoch mindestens eine Nordschleifen-Permit der Stufe B erforderlich. Diese berechtigt zum Start in den leistungsschwächeren Klassen und setzt spezifische DPN-Lehrgänge oder nachgewiesene Rennteilnahmen und Erfolge voraus.
Die höchste Qualifikationsstufe stellt die Nordschleifen-Permit A dar. Sie ist die zwingende Voraussetzung, um die leistungsstarken Boliden der Kategorien GT3 (SP9) oder GT4 (SP10) steuern zu dürfen. Ein Direkteinstieg in diese Klassen ist ausgeschlossen, denn alle Piloten müssen ihre Kompetenz zunächst in der Stufe B unter Beweis stellen – selbst Formel-1-Weltmeister Max Verstappen musste sein erstes Rennen auf der Nordschleife mit einem leistungsschwächeren Porsche Cayman GT4 bestreiten.
Um die Permit-Stufe A zu erreichen, verlangt das Reglement in der Saison 2026 die Teilnahme an mindestens einem Rennen der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) oder den ADAC 24h Nürburgring Qualifiers. Dabei reicht das bloße Mitfahren allerdings nicht aus: Die Fahrer müssen ein straffreies Rennergebnis vorweisen und in der Gesamtsumme mindestens acht Runden absolviert haben, wobei maximal zwei davon auch aus dem vorherigen Qualifying stammen dürfen. In Ausnahmefällen kann ein spezielles Gremium über die Erteilung der Nordschleifen-Permit entscheiden.
Fahrerplatz mieten: Was kostet die Teilnahme bei den 24h Nürburgring?
Wer die notwendige Lizenz bereits in der Tasche hat oder den speziellen „Nordschleifen-Führerschein“ im Vorfeld des 24h-Rennens noch erlangen muss, der braucht vor allem eines: einen Fahrerplatz. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann ein eigenes Team aufbauen und mit dem eigenen Rennwagen starten, was kompliziert und teuer ist. Der deutlich einfachere Weg ist deshalb, einen Fahrerplatz zu mieten. Es gibt einige Privatteams, die freie Fahrerplätze zu vergleichsweise günstigen Preisen anbieten. Dazu kommen professionelle Teams, die sich auf die Vermietung von Fahrerplätzen spezialisiert haben und komplette Rennpakete inklusive Fahrzeug und Betreuung bereitstellen. Das hat allerdings seinen Preis.
In den seriennahen Produktionswagen-Klassen (wie der V4 oder VT2) beginnt der Einstieg für ein Rennwochenende bei etwa 8.000 bis 12.000 Euro pro Fahrer. Dafür erhält man einen Fahrerplatz auf einem soliden Auto, den man sich meist mit drei weiteren Piloten teilt. In den prestigeträchtigeren Cup-Klassen (beispielsweise Porsche 911 GT3 Cup oder BMW M240i) steigen die Preise deutlich an; hier müssen Fahrer mit Beträgen zwischen 20.000 und 40.000 Euro rechnen. Mit diesem Preis ist meist der gesamte Renneinsatz abgedeckt, doch Vorsicht: Bei Unfallschäden wird in der Regel eine hohe Selbstbeteiligung fällig, die im Ernstfall noch einmal mit 5.000 bis 15.000 Euro zu Buche schlagen kann.
An der Spitze des Feldes, in der GT3-Klasse (SP9), erreichen die Summen endgültig Dimensionen, die nur noch über Sponsoren oder ein sehr hohes Privatvermögen stemmbar sind. Ein Fahrerplatz für das 24h-Wochenende kostet durchaus zwischen 80.000 und 150.000 Euro. Dafür pilotiert man ein absolutes High-Tech-Gerät an der Seite von Profis. Wichtig für jeden Fahrer ist immer das Kleingedruckte im Fahrervertrag: Neben der reinen Einsatzgebühr müssen Versicherungsprämien oft extra gezahlt werden, und die Kostenbeteiligung bei einem Totalschaden des Fahrzeugs kann trotz Versicherung im hohen fünfstelligen Bereich liegen.
Wetterkapriolen und tödliche Gefahren: Die dunkle Seite der 24h Nürburgring

Wetter, Verkehr und Dunkelheit machen das 24h-Rennen so gefährlich | Patrick Funk
Die 24h Nürburgring gelten zwar als „das größte Autorennen der Welt“, zugleich aber auch als eines der gefährlichsten. Dafür verantwortlich ist vor allem die einzigartige Kombination aus anspruchsvoller Strecke und dem unberechenbaren Eifelwetter. Nicht selten ist es auf der Döttinger Höhe noch trocken, während im Adenauer Forst bereits sintflutartiger Regen niedergeht oder dichter Nebel jede Sicht nimmt. Genau diese Bedingungen führten in den vergangenen Jahren immer wieder zu Rennunterbrechungen. Besonders in Erinnerung geblieben ist das Jahr 2016: Ein schweres Hagel-Unwetter sorgte damals dafür, dass zahlreiche Fahrzeuge im Bereich Aremberg, Fuchsröhe und Adenauer Forst regelrecht strandeten und das Rennen für mehrere Stunden unterbrochen werden musste.
Die Gefahr fährt auf der Nürburgring-Nordschleife jedoch immer mit. Tragische Unfälle, sogar mit tödlich verletzten Zuschauern, haben in der langen Geschichte der „Grünen Hölle“ immer wieder zu neuen Sicherheitsmaßnahmen und Anpassungen an Strecke und Reglement geführt. Dennoch bleibt Motorsport ein Hochrisikosport. Erst im April 2026 kam der 66-jährige Finne Juha Miettinen bei den 24h Nürburgring Qualifiers ums Leben, als er infolge einer Ölspur die Kontrolle über seinen Rennwagen verlor und mit der Fahrerseite gegen ein anderes Fahrzeug prallte. Das Risiko ist bei den 24h Nürburgring allgegenwärtig – und fährt in jeder Runde mit.
Fazit: Die 24h Nürburgring als ultimativer Härtetest
Das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring ist weit mehr als nur ein Motorsport-Wettbewerb, es ist ein emotionaler Ausnahmezustand für Fahrer, Teams und hunderttausende Fans. Während die 24 Stunden von Le Mans als Krone des internationalen Langstreckensports gelten, ist das Rennen in der „Grünen Hölle“ dessen pulsierende Seele. Wer hier triumphiert, schlägt nicht nur die Konkurrenz, sondern bezwingt zugleich die wohl härteste Rennstrecke der Welt und die unberechenbaren Launen der Eifel.
Die 24h Nürburgring verlangen den Menschen alles ab: Konzentration bis an die Belastungsgrenze, Mut bei Nacht und Nebel sowie die Fähigkeit, selbst im Chaos einen kühlen Kopf zu bewahren. Genau das macht ihren Mythos aus. Kaum ein anderes Rennen verbindet Leidenschaft, Wahnsinn und Faszination auf so intensive Weise. Es ist ein Rennen, das Helden hervorbringt, Karrieren prägt und Träume zerbrechen lässt – und zwar jedes Jahr aufs Neue.
Bilder: Patrick Funk